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ARCHITEKTURBÜRO MÜLLER + HUBER. ARCHITEKTUR. LEBEN.

Derselbe Werkstoff wie beim Berliner Schloss

Zum Tag der Architektur der Architektenkammer gab’s in Offenburg eine Führung durch das neue Ärztehaus an der Hauptstraße.


Vom Dach des Ärztehauses gab es einen Blick auf die Baustelle der dahinter entstehenden Wohnarchitektur am Kronenplatz. Foto: CH. Breithaupt

OFFENBURG. "Rechteckig, praktisch, gut" könnte man in Anlehnung an eine bekannte Schokoladenwerbung das neue "Gesundheits- und Servicecentrum" in Offenburg nennen, das am Samstag im Rahmen des von der Architektenkammer Baden-Württemberg ausgerufenen "Tages der Architektur" besichtigt werden konnte.



Die baulichen Besonderheiten der 90 Meter langen Riegelbebauung, die einerseits das dahinter entstehende Wohngebiet zur Hauptstraße hin abschirmt, zugleich aber den Übergang von der Randbebauung zur kleinteiligeren Innenstadt-Bebauung markiert, wurden von Thomas Braun und Anja Beintker vom Architekturbüro Müller + Huber erklärt. Das Büro hatte bei dem von der Stadt Offenburg ausgeschriebenen städtebaulichen Wettbewerb zur Überplanung des Kronenplatzes den zweiten Platz belegt. Schon zuvor hatte das Büro ein Gesundheitszentrum geplant gehabt – allerdings einige Meter weiter stadteinwärts auf einem wesentlich kleineren freien Grundstück. Beide Architekten betonten, dass das gesamte Vorhaben sehr schnell abgewickelt worden sei: Wettbewerb im Jahr 2013, erster Spatenstich im November 2014, Eröffnung im Mai 2016. Das Bauvolumen ist mit 9800 Quadratmetern Grundfläche und vier- bis sechsstöckiger Ausführung sehr großzügig und bis auf eine Einheit schon vollständig belegt. Von der gegenüberliegenden Straßenseite aus erklärte Anja Beintker die städtebaulichen Überlegungen, die zu der durch viele hochrechteckige Fenster gegliederten Fassade geführt haben. Zum einen wird damit die Formsprache des denkmalgeschützten Burda-Verwaltungsgebäudes (Architekt Walter Nef) zitiert, zum anderen durch den höheren Gebäudeteil ein Gegengewicht zum Burda-Hochhaus auf der gegenüberliegenden Straßenseite geschaffen. Die Fassade ist einerseits streng gegliedert, andererseits wird die Regelmäßigkeit durch die unterschiedlichen Fensterformate im Treppenhausbereich, im dritten Stockwerk oder durch die Arkaden im Erdgeschoss aufgebrochen.



Die Fassade wirkt edel, denn der gleiche Werkstoff wird auch für den Rekonstruktions-Neubau des Berliner Stadtschlosses verwendet. Was an Sandstein oder feinen Putz erinnert, ist jedoch ein Fertigbeton, der in Sandwichtechnik (Beton, Dämmung, Beton) aufgebaut wurde. "Die kurze Bauzeit ist auch der Verwendung dieser Fertigbeton-Teile zu verdanken", erläuterte Thomas Braun. Im Inneren wird das Gebäude durch zwei Treppenhäuser und mehrere Aufzüge erschlossen, mit denen man direkt von der Tiefgarage in die im Haus angesiedelten Arztpraxen, Geschäfte und Büros gelangt. Beeindruckt zeigten sich die rund 20 Besucher der architektonischen Führung von der Ausstattung einer Zahnarztpraxis, die mit zum Teil satinierten Glaswänden im Innern sehr viel Tageslicht in die Räume holt. Die Zahnärztin konnte schon auf die gute Zusammenarbeit mit anderen Arztpraxen und dem orthopädischen Schuhtechniker im Haus verweisen. Der Rundgang ermöglichte dem Publikum zusätzlich Ausblicke auf die weitere bauliche Entwicklung des Kronenareals.

Quelle: Bo.de, Bilder: Ch. Breithaupt oben, Karl. H. Warkentin Fotografie: mitte, unten

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